Arnos Noteinsatz im Großaquarium
Oftmals werde ich gefragt: Was war dein gefährlichster Einsatz als Bergungstaucher? Dann brauche ich nicht lange zu überlegen und antworte mit ausdrucksvoller Mine: Mein Noteinsatz im Großaquarium. Da von diesem Einsatz seinerzeit auch ausführlich in der Presse berichtet wurde, bin ich zumindest über die bekannten Details von der Schweigepflicht entbunden. Ich kann also an dieser Stelle noch einmal über mein Rendezvous mit dem Riesenhai berichten:
An einem schönen Samstagmittag, als ich gerade die Lamellen in meinem Schlafzimmer zuzog, um ein kleines Nickerchen zu halten, ertönte mein Beeper, so dass ich mich sofort in die Leitstelle begab. Im Großaquarium Sealife war ein Riesenhai aus bisher unbekannter Ursache mit seiner Schnauze in hohem Tempo gegen die dicke Scheibe gestoßen. Die Scheibe war noch heil, aber der Riesenhai lag seit 2 Stunden leblos im Wasser. Niemand konnte sagen, ob der Riesenfisch noch lebte oder bereits tot war. Auf die Berührungen mit der Teleskopstange reagierte der Fisch nicht mehr.
Es musste also ein mutiger Taucher hinunter zum Riesenhai und erst einmal einen Pulsmesser an ihn halten, um zu sehen, ob der Fisch noch lebte. Natürlich war ich der einzige, der sich traute. Ich sprang ohne Sauerstoffflaschen ins Aquarium, um keine unnützen Geräusche zu machen und hielt das Messgerät an verschiedene Körperstellen. Leider war kein Lebenszeichen mehr zu hören. So zog ich – wieder oben angekommen – doch meinen Taucheranzug und die Sauerstoffflaschen an, denn jetzt würde ein längerer Einsatz folgen. Der Hai sollte auf eine große Plane, die aussah wie ein bedrucktes Rollo, bewegt werden, die dann mit Seilen an ihren 4 Ecken den Fisch wie auf einer Hängematte nach oben heben sollte. Dazu bekam ich natürlich Verstärkung von 3 weiteren Tauchern und einer Seilwinde.
Ja, leider war dem Fisch nicht mehr zu helfen. Wahrscheinlich hatte er so eine Art Hirnschlag und ist deshalb gegen die Scheibe geknallt. Durch den Aufprall hat er praktisch sein Leiden nur verkürzt. Er war ja immerhin schon 40 Jahre alt. Ich muss allerdings zugeben, die paar Sekunden, als ich ganz allein mit dem Riesenhai in dem Becken war, und ihm den Puls messen musste, waren die aufregendsten Sekunden meines Lebens. Wäre das 9 Meter lange Ungetüm noch am Leben gewesen, hätte es mich mit einem Happs verschlingen können!